Warum man Japan lieben muss: Teil 2

Wenn du dich inmitten einer japanischen Großstadt plötzlich umzingelt siehst von johlenden, halbnackten Männern in Lendenschurzen, dann kannst du dir sicher sein, dass heute dein Glückstag ist! Warum? Du bist auf einem japanischen Matsuri gelandet – und das muss einfach jeder einmal erlebt haben!

„Matsuri“ lässt sich am ehesten mit „Volksfest“ übersetzen. Meist haben die Matsuri einen religiösen Ursprung, sind also eng mit einem lokalen Shintô-Schrein oder Tempel verbunden. Oft ist beispielsweise die Straße, die zu besagtem Schrein führt, an diesem Tag gesäumt mit Buden, in denen tako yaki, gebratene Teigbällchen mit Oktopusfüllung, yaki soba, gebratene Nudeln und andere Leckerbissen verkauft werden. Das eigentliche Highlight jedoch ist der Umzug der mikoshi, der „Göttersänften“. In ihnen wird der shintai, der göttliche Leib eines kami, einer Gottheit, unter lautem Rufen durch die Straßen getragen.

 

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Ein mikoshi wird bei einem Matsuri durch die Straßen des Stadtteils Shinjuku in Tokyo getragen
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Bei einem Matsuri packen Jung und Alt gemeinsam an

 

 

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Matsuri in Shinjuku Tokyo 2014: dabei sein ist alles

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Die Hyottoko-Maske stellt eine Art Clown dar und darf bei kaum einem Matsuri fehlen
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Der Shishi, der Löwe, stammt ursprünglich aus der chinesischen Mythologie und ist auf japanischen Matsuri ein beliebter Kinderschreck
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Dabei meint er es doch nur gut!
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Sein zärtlicher Biss in den Kopf soll Glück bringen…
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Aber manch einen muss man eben regelrecht zu seinem Glück zwingen.
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Verdiente Pause und Lagebesprechung…

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Matsuri-Teilnehmerinnen der Fachhochschule

Oft tragen Männer und Frauen gemeinsam den mikoshi. Bei den hadaka matsuri, den „Nackt-Festen“ übernehmen diese Aufgabe jedoch ausschließlich Männer. Was nicht übel ist, denn so hat die Damenwelt was zu gucken. Nur mit einem Lendenschurz bekleidet schleppen die Männer unter lautem Rufen den mikoshi durch die Straßen. Besonders bei frostigen Temperaturen rund um das japanische Neujahrsfest eine beachtliche Leistung.

Am ehesten Chancen auf ein Matsuri hat man als Japanbesucher jedoch in den Sommermonaten. Oft sind die mikoshi prächtig geschmückte Kunstwerke von immensem Ausmaß. Ihr Transport ist daher auch keine ungefährliche Sache. Vor allem dann nicht, wenn die Träger, wie bei manchen Matsuri Sitte, den mikoshi „zu Ehren und Freuden“ des kami immer wieder wild von einer Seite zur anderen schwenken. Das mag zwar für die Gottheit darin äußerst vergnüglich sein, aber als Zuschauer wird einem bei diesem Anblick doch manchmal angst und bange.

Das Hakata Gion Yamakasa Matsuri findet jedes Jahr im Juli in Fukuoka, in Süd Japan, statt. Unterschiedliche Gruppen treten im Stadtteil Hakata in einem Wettlauf gegeneinander an. Wer schon mal im Juli in Japan war der weiß, dass Wettläufe bei 34 Grad Celsius und 80% Luftfeuchtigkeit eigentlich gar keine gute Idee sind, weshalb das Rennen auch bereits im Morgengrauen beginnt.

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Beim Wettlauf des Hakata Gion Yamakasa Matsuri rennen schon die Jüngsten mit…
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Und auch die Ältesten laufen vorne weg!
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Die riesigen, prächtigen Yamakasa (Gewicht: ca. 1 Tonne), es handelt sich eigentlich um eine Art Boot, müssen im Rekordtempo ins Ziel geschleppt werden.

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Echte Kerle.
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Gegen die schwüle Hitze helfen kalte Güsse

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Das Publikum wird immer internationaler
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Zuschauerinnen in Yukatas, leichten Sommerkimonos aus Baumwolle
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Während des Hakata Gion Yamakasa Matsuri drängen sich rund um den Kushida Schrein Verkaufsbuden.
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Schlange stehen für das Gebet am Kushida-Schrein
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Zierfische-Fangen ist auf Matsuri-Märkten sehr beliebt
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Ebenso wie bunter Kitsch jeglicher Art.

Ein Matsuri ist heute nicht mehr nur eine ausgelassene religiöse Feier, sondern auch eine regionale Attraktion für (vor allem japanische) Touristen. Aber: ein Matsuri fördert auch den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Verschiedene Gruppen, wie beispielsweise die örtliche Fachhochschule, organisieren sich und bilden ihre eigene mikoshi-Trägergruppe. Und natürlich muss auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt werden, eine Aufgabe, die meist ebenfalls freiwillige Helfer erledigen.

 

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Hakata Gion Yamakasa Matsuri: Kollektives Verbeugen der Gruppe nach einer Grußansprache.
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Einer sitzt schon. Die Verpflegung der Teilnehmer wird meist von freiwilligen Helfern organisiert. Beim Hakata Gion Yamakasa Matsuri kommen übrigens keine Gurken auf den Tisch! Sie erinnern in ihrer Form nämlich angeblich an die Gottheit des Festes, Gion-Sama.

 

Ein Matsuri in einer japanischen Großstadt ist daher auch ein kleiner Hoffnungsschimmer dafür, dass es in einer weitestgehend anonym gewordenen Welt doch noch ein „Miteinander“ gibt.  🙂

Wer noch mehr über die japanischen Matsuri erfahren möchte: die Uni Wien hat in ihrem Web-Handbuch „Religion in Japan“ einen informativen Artikel hierzu veröffentlicht.

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