お休みなさい O-yasumi-nasai Gute-Nacht-Märchen aus Asien

Heute:

Die Geschichte von dem winzigen Jagdhund

In alten Zeiten wohnte ein Mönch einsam in einem kleinen Tempel tief in den Bergen.  Er hätte ein zufriedenes, ruhiges Leben führen können, wenn nur nicht die kleinen Blutsauger gewesen wären, die ihm jede Nachtruhe verdarben.

Eines Sommerabends wälzte er sich wieder einmal ruhelos von einer Seite zur anderen. Die verflixten Mücken und Flöhe gönnten ihm wie immer keinen Schlaf. Da vernahm er auf einmal ein ganz, ganz leises Wiehern. Ein winzig kleines Pferdchen war neben seinem Futon aufgetaucht. Auf ihm ritt ein noch winzigerer Samurai in prächtiger Rüstung auf dessen Schulter ein kleiner Falke saß. Der Mönch glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Der Samurai ritt einmal durch das ganze Zimmer, hob dann sein kleines Händchen in die Höhe und winkte. Daraufhin erschien ein zweiter Samurai, ebenso klein und ebenso prächtig gewandet. Doch er trug keinen Falken auf der Schulter, sondern führte einen winzigen Jagdhund mit sich. Die beiden Samurai galoppierten durchs Zimmer und während sie so dahin preschten kamen immer mehr und mehr winzige Krieger dazu, die alle entweder einen Falken oder einen Jagdhund mit sich führten. Plötzlich rief der erste Krieger mit dem Falken auf der Schulter mit zartem Stimmchen einen Befehl – und an die hundert winzige Samurai stürmten gemeinsam mit ihren Hunden und Falken auf die Mücken und Flöhe im Zimmer los. Mit ihren blanken Schwertern machten sie den Plagegeistern den gar aus.

Der Mönch zitterte, tat jedoch so, als merke er von alledem nichts, hielt sich ganz still und wagte kaum zu atmen. Als sich das Schlachtengetümmel allmählich beruhigt hatte, erschien auf einmal eine zierliche, prächtige Kutsche, gezogen von vier winzigen, stämmigen Ochsen. Darin saß ein Männlein mit einer schimmernden Krone auf dem Kopf. Die Krieger stellten sich mit ihren Pferdchen im Spalier auf, überreichten dem kleinen König die Kriegsbeute und riefen mit ihren feinen Stimmchen ein lautes „Hurra!“. Darauf zog die Kutsche von dannen und die Samurai ritten hinter ihr drein und verschwanden im Dunkel der Nacht.

Der Mönch richtete sich langsam und vorsichtig von seinem Lager auf und blickte sich um. Das Zimmer war unverändert. Es war wohl alles nur ein Traum gewesen, jedoch – kein einziger Floh sprang mehr über die Reisstrohmatten und auch nicht das leiseste Summen einer Mücke war zu hören. Und auf einmal entdeckte der Mönch doch etwas. Ein winziger Jagdhund kauerte verlassen und kaum hörbar winselnd neben seinem Futon. Einer der kleinen Krieger musste ihn wohl vergessen haben. Der Mönch nahm das Hündchen behutsam in die Hand und steckte es in seine Schreibschatulle. Und da es nie Futter wollte, sondern stattdessen jede Nacht Insekten fing, hat es in dem kleinen Tempel tief in den Bergen nie mehr auch nur einen Floh oder eine Mücke gegeben. Der Mönch aber, konnte fortan ruhig schlafen. 

nacherzählt aus dem Japanischen von Isabella Arcucci

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