Arigatô, Otfried Preußler-san!

Heute vor drei Jahren und vier Tagen starb der Kinderbuchautor Otfried Preußler. Und ich bin sicher nicht die einzige über 30 Jährige, die heute noch sagen kann: er ist nach wie vor einer meiner Lieblingsautoren! Aber dass es vielen Japanern genauso geht, das hätte ich dann doch nicht gedacht…

Als die Nachricht von Preußlers Tod bekannt wurde, war ich gerade in Japan auf Recherchereise. Am letzten Tag trieb ich mich ziellos in Tôkyôs Buchladen-Viertel Kanda (bzw. Jinbôchô) herum. Ich hatte genug von der Megametropole Tôkyô, genug vom Recherchieren – ja diesmal sogar genug von Asien! Ich war müde und hatte Heimweh. Selbst der eine, letzte Nachmittag fern von zu Haus schien mir schon zu viel. Kanda gefiel mir auch nicht. Anonym, kalt, lieblos – ganz und gar ungemütlich, absolut unpoetisch! Obwohl ich bereits ein Jahr in Japan gelebt hatte und vom kleinsten Ort in Kyûshû bis zum größten Kaufhaus in Tôkyô die unterschiedlichsten Ecken kannte, fühlte ich mich in diesem Land plötzlich vollkommen fremd.

Da entdeckte ich in einer Buchhandlung diese Gedenkkarte für Otfried Preußler, den Zauberer meiner Kindheit. Jener Autor, der Poesie, Humor und das Gefühl von Geborgenheit, von „zu hause-sein“ in die verrücktesten Geschichten verpacken konnte.

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Auf der Karte steht geschrieben: „Arigatô, Otofuriito Puroisuraa – san –  Danke, Herr Otfried Preußler“. Darüber sein Todesdatum, der 18. Februar 2013 und darunter ein Stapel mit japanischen Übersetzungen von Preußlers berühmtesten Geschichten. Mit dabei natürlich auch der große Räuber „Hottsuenpurottsu“ 🙂 und das kleine Gespenst („chiisai o-bake“)………..

Wie war ich eifersüchtig gewesen, als damals, in der 2. Klasse, mein Mitschüler Ruben  bei einem Preisausschreiben ein Treffen mit dem Erfinder all dieser wundervollen Geschichten, mit dem Schriftsteller Otfried Preußler höchstpersönlich gewann. Was ich damals nicht ahnte: nicht nur ich muss da rasend eifersüchtig gewesen sein, sondern auch Kaiserin Michiko, die Gemahlin des japanischen Tennô! Denn 1993, ziemlich genau ein Jahr nachdem Ruben Preußler getroffen hatte, setzte die Kaiserin bei einem offiziellen Besuch in München ihren Willen durch (für japanische Kaiserinnen und Kronprinzessinnen ja nicht immer ganz einfach, wie man leider weiß…) und traf sich mit dem geistigen Papa des berühmt berüchtigten Kartoffeldiebes Hotzenplotz. Das Erinnerungsfoto gibt es hier.

Die Kaiserin ist jedoch längst nicht Preusslers einziger Fan in Japan. Seine Bücher sind in Nippon seit den 1960ern Bestseller.

Mein letzter Nachmittag in Tôkyô war nach dieser unverhofften Begegnung mit all den Fantasie-Helden meiner Kindheit jedenfalls gerettet! Und fremd fühlte ich mich nun auch nicht mehr….

Arigatô, Otfried Preußler-san!

Und: arigatô, lieber Buchladen im „lieblosen“ Kanda 😉

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Einer der vielen Buchläden in Kanda – im Nachhinein verstehe ich gar nicht, warum es mir dort nicht gefallen hat. Ein klarer Fall von: das nächste Mal mit dem richtigen Fuß aufstehen und nochmal hin fahren 🙂

 

 

 

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