In Seoul: Auf der Suche nach Ginseng – der „Menschenwurzel“

Ein Reisender streift einsam durch die waldige Berglandschaft Koreas. An einer Wegbiegung trifft er auf einen vornehmen Mann zu Pferde, der in kostbare Gewänder gehüllt ist. Ihm zur Seite reitet sein junger Diener. Die drei Männer kommen ins Gespräch und beschließen, gemeinsam im Schatten eines Baumes Rast zu machen. Doch wie erschrickt der Reisende, als der Diener des Vornehmen einen großen Krug vom Lastpferd hebt und den Deckel öffnet. In dem Krug liegen, eng übereinander geschichtet, kleine, bleiche Menschenkörper! Mit Grausen sieht der Reisende mit an, wie sein Begleiter sich die weißen Kindergebeine schmecken lässt. Ob er auch einmal versuchen wolle? fragt ihn der Vornehme aufmunternd. Der Reisende schüttelt vehement den Kopf. Überhaupt, er ziehe es vor, von nun an allein weiterzureisen, entgegnet er schroff. Während der Vornehme sich schon auf sein Pferd schwingt fragt der Reisende dessen Diener: „Was hat dein Herr da eben Gräuliches gegessen?“ „Gräulich?“ entgegnet der Junge erstaunt. „Aber es waren doch bloß Ginsengwurzeln!“ Da erschrickt der Reisende über seine Dummheit. Er will dem vornehmen Herrn nachreiten, um sich für sein grobes Benehmen zu entschuldigen….Doch zu spät. Die beiden Reiter sind bereits in den Wolken verschwunden. Und der Reisende begreift: er ist so eben zwei Unsterblichen begegnet. 

 

Das ist natürlich nur ein altes Märchen 🙂

Aber noch heute sind viele Asiaten davon überzeugt, dass Ginseng vielleicht nicht unsterblich macht, aber einem doch ein langes, gesundes Leben bescheren kann – und gegen so ziemlich jede Krankheit hilft. In Korea ist Ginseng gar so etwas wie eine „Nationalpflanze“.

Tatsächlich sehen die Wurzeln der geheimnisvollen Pflanze ein bisschen aus wie Menschenkörper, weshalb „Ginseng“ auf Chinesisch 人参, rén shen (1.Ton) und auf Koreanisch „insam“ genannt wird. Beides bedeutet „Menschenwurzel“.

In Seoul habe ich mich in das Getümmel des Gyeongdong-Heilkräutermarktes gestürzt (huch, jetzt habe ich aus Versehen erst „Geilkräutermarkt geschrieben…nun ja, tatsächlich steht auch der Ginseng, wie so manche Heilpflanze, in dem Ruf, die Manneskraft zu stärken…). Hier werden nicht nur Berge von Ginsengwurzeln zum Kauf angeboten, sondern auch verschiedenste Lebensmittel, Nüsse, Beeren, Kräuter, Insekten…

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Gleich neben der U-Bahnstation beginnt der Lebensmittel- und Heilkräutermarkt.

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Chilli darf in der koreanischen Küche nie fehlen. Am besten, man kauft gleich den ganzen Sack 🙂
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Was krabbelt denn da in dem blauen Netz…? Leider verstehe ich kein Koreanisch (das muss sich ändern! Vorsatz für 2017 schon gefasst!). Eine koreanische Freundin meinte, als ich ihr das Foto zeigte entsetzt, das wäre wohl auch eine Art Medizin, die sie jedoch nicht nehmen würde…Ginseng hingegen schon!
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Ich entschied mich dann auch lieber für einen Riesen-Apfel.
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Lecker war er!
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Maiskolben, im Lehmofen gekocht
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Und Knoblauch in Hülle und Fülle … aber immer noch kein Ginseng
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Doch dann: ein ganzer Berg!
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Die „Menschenwurzel“ und ihre Händler sind längst aus der Welt der Märchen und Mythen im 21. Jahrhundert angekommen.
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Die rötliche Färbung mancher Ginsengwurzeln stammt von einem speziellen Konservierungsverfahren. Mehr dazu erfahrt ihr in meiner Bayern2 radioWissen – Sendung
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In dem Ginseng-Laden dieses netten Herren wurde dann auch ich fündig –  auf meiner Suche nach „Unsterblichkeit“.
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Knapp 90 Euro für ein Wurzelextrakt! Das war mir meine „Unsterblichkeit“ dann doch nicht wert. Aber der günstigere 10 Euro Tee schmeckt mir auch 🙂 Und irgendwie arbeitet es sich mit einer Tasse Ginsengtee tatsächlich konzentrierter!
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Kenner prüfen die Ware genau. Interessant ist auch: die Ginsenghändler sind die einzigen auf dem Markt, die ihre Ware nicht unter lautem Gebrüll anpreisen, sondern sich völlig still verhalten. Getreu dem Motto: Qualität wird immer ihre Käufer finden.

 

Bis heute gilt Ginseng aus Korea als besonders hochwertig und die „Menschenwurzel“ wurde von den Koreanern eifersüchtig gehütet. Lange Jahre stand auf der Ausfuhr koreanischer Ginsengsamen sogar die Todesstrafe!

 

Je menschlicher die Form einer Ginsengwurzel, desto höher ihr Preis, wie mir die deutsche Ginsengzüchterin Gesine Wischmann von der FloraFarm im Interview verraten hat. Richtige Spitzenpreise erzielt man als Händler aber vor allem für den selten gewordenen „wilden Ginseng“:

 

 

“ Es gibt ja ganz, ganz ganz vereinzelt tatsächlich noch wildwachsende Ginsengpflanzen, die sind dann in abgelegenen Wäldern zu finden. Ich selbst habe mal eine Ginsengwurzel gesehen, die war eingelegt in Schnaps. Das war eine wilde Wurzel, die war ungefähr 50 Jahre alt, die war aber nicht besonders groß. Die kostete 27.000 Dollar! Da müssen sie erstmal jemanden finden, der das auch bezahlt. Das sind Phantasiepreise und man will diese Wurzel haben, weil sie eben eine wilde Wurzel ist. Die wird man sicherlich niemals nehmen, die wird da einfach stehen und man will sie haben und man will sie besitzen. Es wird sicherlich keinen geben, der diese Wurzel jemals nehmen wird.“ Gesine Wischmann, Ginsengzüchterin (FloraFarm)

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Ob die hier in Schnaps eingelegten Ginsengwurzeln auch 27000 Dollar kosten? Leider habe ich es versäumt, nachzufragen…

 

 

Heute wird Ginseng auch in Europa und den USA als wahres „Wundermittel“gehandelt. Aber: hilft die „Menschenwurzel“ wirklich gegen Impotenz, Grippe und Krebs, wie oft behauptet?

All das und noch mehr erfahrt ihr in meiner Bayern2 radioWissen Sendung Ginseng – eine legendäre Heilwurzel

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Die Markthändler lassen sich ihr Mittagessen liefern. Kein leichter Job in diesem Getümmel. Die Leere auf dem Foto täuscht. Ich musste einen Moment abpassen, in dem gerade nicht viel los war, um überhaupt ein Foto machen zu können.
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Riesenbohnen…ich war fasziniert. Und er amüsiert…
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Zum Abschluss genehmigte ich mir noch einen sehr starken Heilkräutertee in einem winzigen Teehaus. Was genau ich da trank blieb mir leider verborgen, doch es schmeckte sehr intensiv, ein bisschen wie Kaffee mit Lakritze. Und geschadet hat es mir sichtlich nicht 🙂

 

 

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