お休みなさい O-yasumi-nasai Gute-Nacht-Märchen aus Asien

Heute: Das wilde Pferd im Reisfeld – oder: warum man immer Tusche und Pinsel bei sich tragen sollte! 

 

In alten Zeiten lebten in einem Dorf im Nordwesten Japans viele fleißige Bauern. Die bestellten nach Kräften ihr Land und pflanzten jedes einzelne Reiskorn mit Liebe und Sorgfalt. Als sie jedoch eines morgens auf ihre Felder kamen, war ihr Entsetzen groß. Die Hälfte der Reisähren war aufgefressen und zertrampelt, der schlammige Boden aufgewühlt! Die Bauern fragten sich verzweifelt: Was tun?

In den folgenden Nächten legten sie sich abwechselnd auf die Lauer, um den Unhold, der ihnen die Ernte zerstörte, auf frischer Tat zu ertappen. Und tatsächlich! Eines Nachts sahen sie im Mondlicht die Silouhette eines stattlichen Pferdes. Das Ross fraß gierig von den Reispflanzen und wälzte sich genüsslich im schlammigen Boden. Als die Männer sich von ihrem ersten Schreck erholt hatten, stürzten sie laut brüllend, mit Netzen und Mistgabeln bewaffnet, aus ihrem Versteck, um den Übeltäter einzufangen. Doch das Pferd wieherte nur laut, als ob es die Bauern auslachen wollte, galoppierte dann schnell wie der Wind über die Felder davon und verschwand in der Nacht.

Einer der Bauern jedoch, der mutiger und klüger war als die anderen, hatte eine Idee. Am nächsten Abend folgte er den Hufspuren des Pferdes. Er kam bis in eine einsame Gegend. Dort sah er, an einer heißen Quelle neben einem Felsen, das stattliche Pferd, wie es sich ungestüm im Sand wälzte. Vorsichtig schlich er sich heran. Doch mit einem mal war das Ross verschwunden. Stattdessen entdeckte der Bauer auf der Felswand das gemalte Bild eines Pferdes… Aufgeregt lief er heim und erzählte den übrigen Dorfbewohnern von seiner Entdeckung.

Am nächsten Abend legte sich der Bauer mit mehreren Gefährten neben dem Felsen an der heißen Quelle auf die Lauer. Und tatsächlich. Mit einem mal sprang das Pferd aus dem Bild an der Felswand heraus und galoppierte wiehernd in die Nacht hinaus. Ein paar Stunden später kehrte es zurück und verschwand wieder als starres Bild im Felsen, so als wäre nichts geschehen.

Da hatte einer der Männer eine Idee. Er griff in seinen Beutel, holte Pinsel und Tusche hervor und malte dem Pferd ein Zaumzeug mit Zügeln dran. Und was soll ich sagen? Seitdem ist das Pferd nie wieder aus dem Bild gesprungen. Die Bauern aber, hatten wieder eine reiche Reisernte.

 

Aus dem Japanischen übersetzt und nacherzählt von Isabella Arcucci

 

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