Buchtipp: „Mulan – verliebt in Shanghai“ von Susanne Hornfeck

Was tun, wenn man 15 ist und einem Mama und  Schule so richtig auf die Nerven gehen? Na klar, man fährt nach Shanghai! Drei Monate in der vielleicht aufregendsten Metropole unseres Jahrtausends! Nur blöd, wenn man auch dort schon wieder in die Schule gehen muss und seine Mutter zwar los ist, aber dafür jetzt eine noch viel anstrengendere „Waipo“, eine Großmutter, an der Backe hat… Eine, die ständig Konfuzius und Mao zitiert, in der Küche alte Rotgardisten-Lieder schmettert – und die mit ihrem schrägen Blick einfach aaalles rausbekommt. So gar das geheime Treffen mit einem ganz besonderen Menschen …

So geht es Mulan, einem „stink-normalen“ Teenager-Mädchen aus München. Na ja, so „stink-normal“ ist Mulan auch nicht. Denn als Halbchinesin muss man sich irgendwie immer damit abfinden, die Extra-Wurst spielen zu müssen. Zu Hause in Deutschland zieht ihr exotisches Aussehen häufig (männliche) Blicke auf sich, was nicht immer angenehm ist. Und jetzt ist Mulan zum ersten Mal bei ihrer chinesischen Verwandtschaft in Shanghai zu Gast – und ist plötzlich „die Deutsche“. Die, die sich beim Shoppen, egal ob auf dem wurligen Markt oder im schicken Einkaufscenter, nur allzu leicht übers Ohr hauen lässt und die zwar fließend Chinesisch spricht, aber kein einziges Schriftzeichen entziffern kann und oft die unterschiedlichen Tonhöhen verwechselt, welche im Chinesischen die Bedeutung eines Wortes bestimmen. Das kann dann ganz schön peinlich werden… Vor allem, wenn man eigentlich seine erste große Liebe beeindrucken wollte.

Das mit der Schrift und den Tönen kriegt Mulan durch den Besuch der Sprachschule nach und nach in den Griff und beim Handeln helfen ihr die Tricks ihrer Chinesisch-Amerikanischen Freundin Junice. Aber wie soll sie nur den Streit daheim mit ihrer Mutter beenden? Und welche Zukunft hat die Sache mit Nianshen, dem so verdammt gut aussehenden Jungen aus Taiwan?  Ausgerechnet Mulans „Waipo“ mit ihren Mao-Weisheiten und ihrem Götter-und Geisterglauben, scheint der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme zu sein. Ganz allmählich nähern sich Enkelin und Großmutter mehr und mehr an. Aber was steckt eigentlich hinter dieser alten Frau, die scheinbar irgendwo zwischen Ming-Kaiser-Zeit und Kulturrevolution stehen geblieben ist? Warum hat Mulans Mama den Kontakt zu Waipo vor Jahren abgebrochen und was hat das alles mit dem „Platz des Himmlischen Friedens“ im Jahr 1989 zu tun?

 

Warum Dir das Buch gefallen wird:

Ich habe mich jedesmal richtig gefreut, wenn ich wieder ein wenig Zeit hatte, Susanne Hornfecks Roman zur Hand zu nehmen. Es fühlte sich so an, als ob ich selbst die Mega-Metropole Shanghai mit all ihrer Vielfalt und ihren Widersprüchen erkunden würde. Dabei erhält man als Leser etwas, das den meisten Shanghai-Reisenden sicher verwehrt bleibt: den Einblick in einen chinesischen Familienalltag – und in eine chinesische Familiengeschichte. Ein Buch, das leicht und unterhaltsam geschrieben ist, perfekt für einen langen Flug (nach Shanghai? :-)) und das trotzdem sehr berührt.

 

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Warum Dir das Buch nicht gefallen wird:

Lass mich raten…..: Für Teenager-Mädchen-Bücher mit rosa Titelschrift bist Du viel zu cool, stimmt`s?

Oder einfach nur zu „alt und verbittert“? 😉

 

Warum Du es trotzdem lesen muuuust:

Egal, ob Du 15 bist oder 65: für ein schönes Buch ist man nie zu alt! Und ganz nebenbei erfährst Du bei diesem Buch auch noch so viel über China, das Moderne ebenso wie das Alte! Auf 261 Seiten entfaltet sich ein vielschichtiges Bild vom „Reich der Mitte“: angefangen bei dem gar nicht alltäglichen Alltag in der schillernden Riesen-Metropole Shanghai, über politische Zensur, chinesische Sprache und Schrift, traditionelle Medizin, die Schatten der Kulturrevolution, die traumatischen Ereignisse auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ 1989, chinesische Religion und Aberglauben (warum wollen alle Chinesen mind. eine „8“ in ihrer Telefonnummer??), bis hin zum ganz normalen chinesischen Familienleben im 21. Jahrhundert. Das alles ist locker und spannend erzählt, verpackt in eine berührende Coming-of-Age- und Liebes-Geschichte. Auch mit 31 Jahren habe ich das Buch genauso gerne gelesen, wie ich das wohl schon mit 15 getan hätte. Denn wer träumt nicht insgeheim davon, er hätte seine erste große Liebe nicht auf dem Schulhof zwischen zwei Mülleimern getroffen, sondern wie Mulan auf einer schicken Dachterrasse, mit Blick auf die bunt glitzernde Skyline des nächtlichen Shanghais …

 

Und dazu?

Natürlich echt Shanghai-Style: Bubble-Tea!!! Wer ihn selber machen will:  hier  gibt`s eine genaue Anleitung dazu.

Und auch als Video 🙂

 

 

„Mulan – verliebt in Shanghai“ ist bei DTV erschienen.

Die Autorin Susanne Hornfeck wohnt in der Nähe von München, hat Germanistik und Sinologie studiert und mehrere Jahre in Taiwan gelebt und gearbeitet. Sie spricht fließend Chinesisch, hat u.a. Werke von Eileen Chang und Yang Mu aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt und schreibt Kinder- und Jugendromane zum Thema China. Mehr über Susanne Hornfeck erfahrt ihr hier auf ihrer Homepage.

 

Du willst mehr über Shanghai erfahren? Dann schau mal auf dem Blog von Shaoshi einer „echten deutschen Shanghaierin“ vorbei 🙂

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Buchtipp: „Mulan – verliebt in Shanghai“ von Susanne Hornfeck

  1. Ich bin selber auch kein allzugroßer Fan von Liebesgeschichten – gerade weil sie oft einen Ticken zu sehr mit dem ‚rosa Zuckerguß‘ überzogen sind. Aber die Hintergründe über Shanghai bzw. chinesische kultur sind immer eine interessante Verlockung. 😉

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